Texte zum Zeitgeschehen
Insgesamt sieben Jahre meines Lebens habe ich mit Lesen und Studieren zugebracht. An der Akademie, in Praktika und Seminaren habe ich mich auf einen hauptamtlichen Beruf in der Kirche vorbereitet. Ich habe mich intensiv mit den grossen Fragen beschäftigt, die sich uns Menschen stellen.
Noch in der Primarschule hatte ich mir zusammen mit meinem neuapostolischen Freund Simon die Rolle des Klassenprimus geteilt. Am Gymnasium und später im Studium habe ich diese Stellung dann den strebsameren Schülerinnen und Schülern überlassen – wohl auch, weil ich ein wenig zur Faulheit neige. So habe ich die mir von Professoren vorgegebenen Pflichten erfüllt, und meine Leistungen waren dann auch meistens gut und immer ausreichend.
Die Karriereleiter sind deshalb andere emporgestiegen. Sie haben Posten weiter oben bekommen, an denen sie mehr Verantwortung tragen – und ehrlich gesagt beneide ich sie darum nicht.
Doch auch als Dorfpfarrer nehme ich natürlich die Zeichen der Zeit wahr. Und diese Zeichen machen mir Sorgen.
Schon während meiner Ausbildung war eine Frage immer wieder Thema: Warum hat sich die Kirche bei den Entwicklungen in Deutschland hin zum Nationalsozialismus nicht deutlicher geäussert? Warum haben so viele erst zu spät erkannt, wohin bestimmte Gedanken, Parolen und politischen Bewegungen führen? Warum wurde manches verharmlost, was sich später als zerstörerisch erwiesen hat?
Ich weiss, dass historische Vergleiche immer mit Vorsicht zu behandeln sind. Nicht jede Fehlentwicklung ist schon ein neuer Nationalsozialismus, und nicht jede Sorge berechtigt zu grossen Alarmrufen. Aber gerade die Geschichte lehrt uns auch, dass gefährliche Entwicklungen selten über Nacht entstehen. Sie wachsen langsam. Sie beginnen oft mit Worten, mit Verschiebungen im Denken, mit Verrohung und Manipulation der Sprache, mit neuen Fahnen die gehisst werden, mit der Abwertung von Menschen, mit falschen Heilsversprechen und mit der Versuchung, komplexe Probleme durch einfache Feindbilder zu lösen.
Darum möchte ich in nächster Zeit einige Texte zum Zeitgeist veröffentlichen. Nicht, weil ich meine, im Besitz aller Antworten zu sein. Nicht, weil ich mich über andere erheben will. Und auch nicht, weil ich Lust an Untergangsstimmung hätte. Sondern weil ich glaube, dass es zur Aufgabe eines Christen und auch zur Aufgabe eines Seelsorgers gehört, aufmerksam zu bleiben, zu unterscheiden und dort das Wort zu ergreifen, wo Entwicklungen dem Menschen, seiner Würde, seiner Freiheit und letztlich auch Gott widersprechen.
Vielleicht werde ich mich dabei irren. Vielleicht werde ich manches zu scharf sehen und anderes zu wenig beachten. Aber das Risiko, sich in Sorge einmal zu deutlich zu äussern, scheint mir kleiner als das Risiko, aus Bequemlichkeit, Angst oder falscher Rücksichtnahme zu lange zu schweigen.
Noch in der Primarschule hatte ich mir zusammen mit meinem neuapostolischen Freund Simon die Rolle des Klassenprimus geteilt. Am Gymnasium und später im Studium habe ich diese Stellung dann den strebsameren Schülerinnen und Schülern überlassen – wohl auch, weil ich ein wenig zur Faulheit neige. So habe ich die mir von Professoren vorgegebenen Pflichten erfüllt, und meine Leistungen waren dann auch meistens gut und immer ausreichend.
Die Karriereleiter sind deshalb andere emporgestiegen. Sie haben Posten weiter oben bekommen, an denen sie mehr Verantwortung tragen – und ehrlich gesagt beneide ich sie darum nicht.
Doch auch als Dorfpfarrer nehme ich natürlich die Zeichen der Zeit wahr. Und diese Zeichen machen mir Sorgen.
Schon während meiner Ausbildung war eine Frage immer wieder Thema: Warum hat sich die Kirche bei den Entwicklungen in Deutschland hin zum Nationalsozialismus nicht deutlicher geäussert? Warum haben so viele erst zu spät erkannt, wohin bestimmte Gedanken, Parolen und politischen Bewegungen führen? Warum wurde manches verharmlost, was sich später als zerstörerisch erwiesen hat?
Ich weiss, dass historische Vergleiche immer mit Vorsicht zu behandeln sind. Nicht jede Fehlentwicklung ist schon ein neuer Nationalsozialismus, und nicht jede Sorge berechtigt zu grossen Alarmrufen. Aber gerade die Geschichte lehrt uns auch, dass gefährliche Entwicklungen selten über Nacht entstehen. Sie wachsen langsam. Sie beginnen oft mit Worten, mit Verschiebungen im Denken, mit Verrohung und Manipulation der Sprache, mit neuen Fahnen die gehisst werden, mit der Abwertung von Menschen, mit falschen Heilsversprechen und mit der Versuchung, komplexe Probleme durch einfache Feindbilder zu lösen.
Darum möchte ich in nächster Zeit einige Texte zum Zeitgeist veröffentlichen. Nicht, weil ich meine, im Besitz aller Antworten zu sein. Nicht, weil ich mich über andere erheben will. Und auch nicht, weil ich Lust an Untergangsstimmung hätte. Sondern weil ich glaube, dass es zur Aufgabe eines Christen und auch zur Aufgabe eines Seelsorgers gehört, aufmerksam zu bleiben, zu unterscheiden und dort das Wort zu ergreifen, wo Entwicklungen dem Menschen, seiner Würde, seiner Freiheit und letztlich auch Gott widersprechen.
Vielleicht werde ich mich dabei irren. Vielleicht werde ich manches zu scharf sehen und anderes zu wenig beachten. Aber das Risiko, sich in Sorge einmal zu deutlich zu äussern, scheint mir kleiner als das Risiko, aus Bequemlichkeit, Angst oder falscher Rücksichtnahme zu lange zu schweigen.
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